Sehr geehrter Herr Wendler!
Norbert Häring hat natürlich Recht, wenn er schreibt, dass Banken wesentlich vom Vertrauen ihrer Kunden abhängig sind.
Ich habe stets betont, dass die Finanzkrise der vergangenen Jahre vor allem auch eine Vertrauenskrise war. In dieser Situation, in der sich auch die Marktteilnehmer untereinander misstrauten, haben die Zentralbanken durch weltweit konzertierte Aktionen richtig reagiert. Durch die Bereitstellung von Liquidität haben die Zentralbanken signalisiert, dass sie bereit sind, ihre Rolle als Lenders of Last Resort zu spielen. Auch die Regierungen haben Banken unterstützt – in Österreich etwa in Form von Garantien oder durch die Ausweitung der Einlagensicherung. Dadurch konnte das Vertrauen der Marktteilnehmer gestärkt werden. Die derzeitigen Budgetprobleme einiger Staaten des Euroraums sind nicht zu Letzt diesen Maßnahmen geschuldet. In der damaligen Situation gab es dazu jedoch keine Alternative.
Ich möchte Norbert Häring jedoch in folgendem Punkt vehement widerspre- chen: Ich halte es für verfehlt, das Wirtschaften von Banken pauschal mit kriminellen Praktiken eines Schneeballsystems gleichzusetzen. In einem Schneeballsystem werden Menschen und Finanzmarktaufseher absichtlich hinters Licht geführt. Banken hingegen nehmen Spareinlagen entgegen und erwirtschaften für ihre Kunden und Kundinnen Renditen. Es ist daher klar und auch kein Geheimnis, dass Banken die ihnen anvertrauten Geldmittel nicht vollständig in ihren Tresoren lagern. Vielmehr versuchen sie, die Einlagen im Sinne ihrer Kundschaft gewinnbringend zu veranlagen und sie vergeben Kredite an Unternehmen und Private. Selbstverständlich sieht aber das Bankwesengesetz (BWG, http://bit.ly/MAK9ki) Regelungen betreffend die Liquidität von Kreditinstituten vor: Nach §25 BWG haben Kreditinstitute „dafür zu sorgen, ihren Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen zu können.“
Mit freundlichen Grüßen
Ewald Nowotny
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